Orthorexia nervosa Orthorexia nervosa

Gesund, gesünder, zwanghaft gesund: Orthorexie, auch genannt Orthorexia nervosa, beschreibt ein zwanghaft gesundes Essverhalten. Betroffene einer Orthorexie beschäftigen sich sehr ausgiebig mit gesunder Ernährung und halten sich strikt an selbstgesetzte Ernährungsregeln. Diese Beschäftigung nimmt sehr viel Zeit ihres Alltags in Anspruch und kann negativen Einfluss auf viele Lebensbereiche der Betroffenen haben: auf das Sozialleben, Emotionen, Beruf/Schule/Ausbildung und insbesondere die körperliche und seelische Gesundheit.

Symptomatik und Anzeichen Symptome und mögliche Anzeichen einer Orthorexie

Auf eine gesunde Ernährung zu achten und bewusst zu essen, ist zunächst etwas Positives und weist nicht auf eine Erkrankung an Orthorexie hin. Bei Betroffenen einer Orthorexie lassen sich bestimmte Verhaltensweisen beobachten, die über ein normales gesundes Essverhalten hinausgehen. Eine Auseinandersetzung mit diesen Anzeichen kann, ähnlich wie ein Selbsttest auf Orthorexie, als erstes Screening dienen. Nicht alle aufgelisteten Verhaltensweisen müssen dabei auftreten. Ob eine Orthorexie vorliegt, beziehungsweise ob das Essverhalten krankhaft ist, kann letztlich nur im Rahmen einer professionellen Diagnostik festgestellt werden.

 

 Häufige Anzeichen / Symptome für eine Orthorexie sind:

  • Übermäßige Beschäftigung mit Ernährung
  • Recherchen zu Nährwerten, Vitamingehalt und Mineralstoffen von Lebensmitteln
  • Nahrungsaufnahme ausschließlich zu bestimmten Tageszeiten
  • Sozialer Rückzug, insbesondere kein Essengehen oder Essen bei Bezugspersonen, aus Angst, dass das Essen dort nicht den eigenen Anforderungen entspricht. Sozialer Aspekt ist dabei für Betroffene unwichtiger
  • Gefühle von Scham und Schuld, wenn eigene Ernährungsregeln gebrochen werden
  • Zunehmendes Streichen vieler „ungesunder“ Nahrungsmittel vom Speiseplan
  • Einseitige Ernährung
  • Inflexibilität im Konsum von ausgewählten Lebensmitteln
  • Fixierung auf bestimmte Zubereitungsarten (z.B. nur gedünstetes Essen oder Rohkost)
  • Fixierung auf bestimmte Uhrzeiten für Mahlzeiten
  • Eigene Ernährung wird als die einzig richtige angesehen
  • Missionierungsarbeit bei anderen, die eigene Ernährungsform zu übernehmen
  • Einsicht in das eigene zwanghafte Essverhaltens ist schwierig
  • Planung von Mahlzeiten mehrtägig im Voraus
  • Vernachlässigung des Aspekts von Genuss bei Lebensmitteln
  • Persönliche Vorlieben von Essen werden ignoriert
  • Gefühl der Zufriedenheit, wenn die Umsetzung der eigenen Ernährungsregeln erfolgt
  • Steigende Lebensmittelqualität bei sinkender Lebensqualität
  • Gefühl der Überlegenheit gegenüber Menschen, die sich „ungesünder“ ernähren

Risikofaktoren und Ursachen Risikofaktoren und Ursachen einer Orthorexie

Die genaue Entstehung einer Orthorexie ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass die Ursachen einer Orthorexie multifaktoriell sind. Das bedeutet, dass mehrere Faktoren zusammenkommen und nicht eine einzelne Ursache für die Entstehung einer Orthorexie vorliegt.

Folgende Aspekte werden als mögliche, mitverursachende Faktoren der Orthorexie vermutet:

  • Traumatische Erlebnisse
  • Familiäre Konflikte
  • Elterliches Kontrollverhalten hinsichtlich der Ernährung in der Kindheit
  • Hoher Leistungsdruck
  • Mobbingerfahrung
  • Hoher Konsum sozialer Medien mit unrealistischen Körperidealen
  • Selbstwertprobleme
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Allergien gegen bestimmte Lebensmittel
  • Beobachten von Lebensmittelskandalen
  • Ausbildung oder Berufstätigkeit mit Bezug zu Ernährung und Gesundheit
  • Verdeckte seelische Probleme

Unterschiede zu Anorexie und Bulimie Abgrenzung der Orthorexie von Anorexie und Bulimie

Es gibt einige Kriterien, um eine Orthorexie von Essstörungen wie Bulimie (hier erfahren Sie mehr) oder Anorexie (hier erfahren Sie mehr) abzugrenzen:

 

An Orthorexie Erkrankte achten besonders auf die Qualität von Nahrungsmitteln. Sie versuchen, ausschließlich „reine“ Produkte zu konsumieren. Dies können beispielsweise selbst angebaute Nahrungsmittel sein, Lebensmittel ohne Zucker oder Weizen o.Ä. „Ungesunde“ Lebensmittel werden von Menschen mit einer Orthorexie ausgeschlossen, die Liste wird im Verlauf der Erkrankung dabei meist länger, die Auswahl an Lebensmitteln zum Verzehr weniger. Die Menge der zugeführten Lebensmittel spielt für Betroffene einer Orthorexie eine weniger große Rolle.

 

Die Reduktion von Kalorien ist bei Essstörungen wie einer Anorexie oder Bulimie hingegen das Ziel: Betroffene dieser Essstörungen wollen eine geringere Kalorienzufuhr erreichen und versuchen einen Gewichtsverlust zu erzielen bzw. ein niedriges Körpergewicht. Sie beschäftigen sich neben ihrem äußerlichen Erscheinungsbild eher mit den Kalorien der Lebensmittel als mit der Qualität, wie dies Betroffene einer Orthorexie tun.

Ebenso gibt es weitere Unterschiede. So gehört bei Bulimie und Magersucht in der Regel ein gestörtes Körperbild zur Krankheit. Hier finden Sie mehr Informationen zu Essstörungen, inklusive Binge Eating (hier einzeln).

Häufigkeit und Risikogruppen Häufigkeit einer Orthorexie und Risikogruppen

Frauen, insbesondere im jungen Alter, sind laut Statistiken etwa doppelt so oft von einer Orthorexie betroffen wie Männer. Bei anderen Essstörungen ist der Anteil der Frauen sogar noch größer. Männer hingegen sind tendenziell häufiger von einer Sportsucht betroffen.

 

Laut aktuellen Studien sind etwa 1-7 Prozent der Allgemeinbevölkerung in Deutschland von einer Orthorexie betroffen.

 

Menschen, die beruflich im Bereich Ernährung und Gesundheit arbeiten, sind laut Statistiken häufiger von einer Orthtorexie betroffen. Dies sind beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Diätassistentinnen und Diätassistenten, sowie Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftler.

 

Auch sportlich Aktive und Menschen, die ihre körperliche Leistung optimieren wollen, zeigten in Umfragen ein erhöhtes Risiko für eine Orthorexie. Darunter fallen beispielsweise Leistungssportler und Leistungssportlerinnen.

 

Persönlichkeiten mit einem Hang zu Perfektionismus oder Angst vor Krankheiten, erkranken statistisch gesehen ebenfalls häufiger an Orthorexie.

 

Beobachtet werden konnte auch, dass Kinder und Jugendliche häufiger eine Orthorexie entwickeln, wenn Eltern ein krankhaftes Essverhalten aufweisen.

Risiken und mögliche Folgen Potenzielle Risiken und Folgen einer Orthorexie

  1. Auf körperlicher Ebene können folgende Probleme bei einer Orthorexie entstehen:
    Mangelernährung
    Unterernährung
    Gewichtsverlust
    Hautprobleme
    Verdauungsprobleme
    Unzureichende Vitamin- und/oder Mineralstoff-Versorgung
    Konzentrationsprobleme
    Gedächtnisprobleme
    Erschöpfung
    Schlafstörungen
    Niedriger Blutdruck und verlangsamter Puls
    Herz-Kreislauf-Probleme
  2. Auf seelischer Ebene können durch eine Orthorexie folgende Probleme entstehen:
    Störung im Umgang mit den eigenen Emotionen
    Störung im Sozialverhalten
    Verminderte Lebensqualität
    Entstehen einer Essstörung wie Anorexie oder Bulimie
    Soziale Isolation
    Probleme am Arbeitsplatz / in der Schule / Ausbildungsstätte
    Selbstwerteinbruch bei Kontrollverlust über die Ernährung
    Zunehmende Strenge mit sich selbst
    Erschöpfung

ICD-10 und DSM-5 Orthorexie in den Krankheitsklassifikationssystemen ICD-10 und DSM-5

Die Orthorexie ist keine in Diagnosesystemen offiziell gelistete Essstörung.
Im" ICD-10", dem internationalen Krankheitsklassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation, ist die Orthorexie nicht als selbstständige Störung aufgelistet. Sie lässt sich jedoch im ICD-10 unter „nicht näher bezeichnete Essstörung“ klassifizieren. In dem zum ICD-10 alternativen Klassifikationssystem „DSM-V“ wird eine Orthorexie unter den Überbegriff „Störungen mit Vermeidung oder Einschränkung der Nahrungsaufnahme“ eingeordnet.

 

Bei der Abgrenzung einer Orthorexie zu einem gesunden Lebensstil kann der Leidensdruck der Betroffenen als ausschlaggebend gesehen werden. Das Bestehen von gewissen Ängsten, einhergehende starke Einschränkungen im Alltag und eine verminderte Lebensqualität zählen ebenfalls als Kriterien, die normales von krankhaften Verhalten abgrenzen.

Ob eine Essstörung wie eine Orthorexie vorliegt, kann mithilfe einer psychologischen Diagnostik, beantwortet werden. Daraufhin kann ein Behandlungsplan erstellt werden.

Psychotherapie Psychotherapie bei Orthorexie

Eine Orthorexie kann mit einer Psychotherapie behandelt werden. Dabei können verschiedene psychotherapeutische Verfahren eingesetzt werden wie beispielsweise eine Gesprächspsychotherapie. Psychotherapien können ambulant, teilstationär oder vollstationär stattfinden, sowie im Einzel- und/oder Gruppenformat.

 

Eine Voraussetzung für eine Psychotherapie bei einer Orthorexie ist häufig, dass Betroffene eine gewisse kritische Distanz zu ihrem eigenen Ernährungsverhalten bereits erreichen können. Mit beginnender Einsicht darüber, dass das eigene Essverhalten problematisch ist, können Betroffene der Orthorexie mit dem/der Psychotherapeuten/ Psychotherapeutin an einem gesünderen Umgang mit Essen, dem eigenen Körper und dem sozialen Umfeld arbeiten.

Häufige Inhalte einer Psychotherapie bei Orthorexie sind:

  • Essen als Genuss wieder zu etablieren
  • Probieren verschiedener Lebensmittel
  • Wahrnehmung von Geschmacksrichtungen fördern
  • Liste der persönlich „verbotenen“ Lebensmittel abbauen
  • „Normalerer“ Umgang mit Ernährung wiederfinden
  • Abbau von Ängsten
  • Emotionsbewältigung fördern
  • Selbstwert aufbauen
  • Soziale Teilhabe ermöglichen
  • Medizinische Behandlung bei starkem Gewichtsverlust bzw. somatischen Folgen

Therapie in den Oberberg Kliniken Therapie einer Orthorexie in den Oberberg Kliniken

In den Oberberg Fachkliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik behandeln wir das gesamte Spektrum seelischer Erkrankungen, Störungen, Syndrome und Beschwerden. Wir behandeln alle Altersgruppen mit effizienten und modernen Therapien. Diese werden individuell, nach Bedürfnissen und Wünschen der Patientinnen und Patienten, zusammengestellt.

 

Bei Oberberg kann krankhaftes Essverhalten wie bei einer Orthorexie mit einer Psychotherapie (hier erfahren Sie mehr) sowie wertvollen, ergänzenden Fachtherapien (hier erfahren Sie mehr) und vielen weiteren Therapiemethoden behandelt werden. Außerdem stehen Betroffenen und Angehörigen Selbsthilfegruppen (zu diesen gelangen Sie hier) offen.

Häufig findet zu Behandlungsbeginn einer Orthorexie eine mehrwöchige stationäre Therapie statt. Diese bieten wir in gehobenem Ambiente und mit Wohlfühlatmosphäre an. Neben Einzeltherapien sind auch Gruppentherapie häufig ein Bestandteil der Therapie von Orthorexie. Auch Therapiebausteine, die die Achtsamkeit fördern und Stressabbau ermöglichen sind vorhanden und können ausprobiert werden.

 

In den Oberberg Kliniken können Ängste reduziert werden, Unsicherheiten abgebaut und Probleme und Erfahrungen aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden. Wir unterstützen Sie dabei, Ihr striktes Essverhalten zu verändern und wieder mehr Lebensqualität und Wohlbefinden zu erreichen.

Nachhaltigkeit Verantwortung tragen - nachhaltige Gastronomie fördern

Die ersten Kliniken der Oberberg Gruppe wurden mit dem "Greentable Siegel" ausgezeichnet. Das Greentable-Siegel „Nachhaltige Gastronomie“ ist ein transparentes Auszeichnungsverfahren zur Bewertung von Nachhaltigkeitsleistungen gastronomischer Betriebe. Dabei werden die Aktivitäten des Betriebes anhand von 12 Bewertungsfeldern in Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung bewertet. Für die Auszeichnung müssen mind. 50% der Anforderungen erfüllt sein.

Gerne helfen wir Ihnen – vertrauensvoll und diskret

Sie möchten mehr Informationen zu unserem Behandlungsangebot, zur Ausstattung in den Kliniken oder zum Tagesablauf in einer unserer Kliniken? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie mit uns persönlichen Kontakt unter der kostenlosen Telefonnummer 030 - 26478919 aufnehmen. Wenn Sie einen Rückruf für ein persönliches Gespräch vereinbaren möchten, füllen Sie bitte das Kontaktformular aus. Wir werden uns dann schnellstmöglich bei Ihnen melden.

Die Oberberg Fachkliniken Ein Überblick über unsere Oberberg Kliniken

Depa, J. (2015). Gesund, gesünder, Orthorexia nervosa. Springer

 

Röcker, A. (2021, 19. Dezember). Menschen mit Orthorexie streben ein Gefühl von Reinheit an. Spektrum. spektrum.de/kolumne/menschen-mit-orthorexie-streben-ein-gefuehl-von-reinheit-an/1955281

 

Schulte, K. (2022, 24. April). Essstärung Orthorexie durch krankhaftes Gesundessen. iGesundheit. infothek-gesundheit.de/orthorexia-nervosa/

 

Unterberger, T. (2021, 14. Juni). Orthroexie. Netdoktor. netdoktor.de/krankheiten/orthorexie/#:~:text=Orthorexie%20%28auch%20„Orthorexia%20nervosa“%29%20bezeichnet%20ein%20auffälliges%20Essverhalten%2C,Ernährungsregeln%20fest%2C%20die%20oft%20ihren%20gesamten%20Tagesablauf%20bestimmen.

 

Voderholzer, U. & DGPPN (Hrsg.). (2018). Therapie psychischer Erkrankungen. State of the Art. Schlagwort Orthorexie. Elsevier.