Psychosomatik - Kinder & Jugendliche

Es gibt praktisch kein körperbezogenes Symptom, das neben einer organischen Ursache nicht auch psychisch bedingt sein könnte: Kopfschmerzen, Herzrasen, Rückenschmerzen, Ohrgeräusche, Lähmungserscheinungen etc. Ist eine organische Erkrankung als Ursache der Beschwerden ärztlicherseits ausgeschlossen, spricht man von psychosomatischen Beschwerden beziehungsweise von somatoformen Störungen.

Gängige Redewendungen machen den Zusammenhang von Körper und Psyche deutlich, zum Beispiel:

  • Das ist mir aber auf den Magen geschlagen!
  • Wut im Bauch
  • die Kehle zugeschnürt
  • die Sprache verschlagen
  • kalte Füße bekommen

Auslösende Situationen, die ein bestimmtes Gefühl als Antwort entstehen ließen, wurden hier in einem körperlichen Symptom verschlüsselt. Warum das? Dieser unbewusst ablaufende Vorgang bewirkt beispielsweise, dass man sich mit dem unangenehmen oder als bedrohlich erlebten Gefühl zunächst nicht beschäftigen muss.

Kennzeichnend für somatoforme Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind rezidivierende und vielgestaltige körperliche Symptome, die nicht durch eine zugrundeliegende körperliche Krankheit bedingt sind und nicht unter bewusster Kontrolle stehen. Das Kriterium der fehlenden Bewusstseinskontrolle wurde für Erwachsene entwickelt und kann bei Kindern schwer zu bestimmen sein. Die Beschwerden können chronifizieren und Anlass für vielfältige ärztliche Untersuchungen geben.

Das häufigste rezidivierend auftretende Somatisierungssymptom im Kindesalter sind die rezidivierenden Bauchschmerzen. Die werden häufig von Erbrechen, Kopfschmerzen, Fieber, Blässe und Müdigkeit begleitet und variieren hinsichtlich der Dauer und Frequenz der Schmerzattacken beträchtlich. Diagnostisch wegweisend ist die Tatsache, dass Kinder mit rezidivierenden Bauchschmerzen ungewöhnlich häufig Zeichen emotionaler Störungen (Angst und depressive Verstimmungen) und von Unreife zeigen. Ähnliche Beschwerden oder andere körperliche Symptome mit psychischer Überlagerung bei den Eltern sind häufig.

Andere rezidivierend auftretende Zeichen einer Somatisierungsstörung im Kindesalter sind gastrointestinale Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Ab der Adoleszenz wird das Bild der somatoformen Störungen noch vielgestaltiger (z.B. gastrointestinale Beschwerden, abnorme Hautempfindungen, sexuelle und menstruelle Beschwerden, Kopfschmerzen etc.). Charakteristisch ist ein chronisch-fluktuierender Verlauf mit multiplen und unterschiedlichen körperlichen Symptomen.