Wenn die Eltern sich trennen: Wie Kinder Verluste erleben und verarbeiten

Trennungen sind nie einfach. Eine plötzliche Veränderung der aktuellen Lebenssituation ist für alle Beteiligten ein Kraftakt. Der Mensch als „Gewohnheitstier“ braucht seine Sicherheiten. Was passiert, wenn diese – fest verankert im Rahmen einer Partnerschaft oder Familie – verschwinden? Was für Erwachsene schon kompliziert ist, ist für Kinder umso schwerer zu begreifen. Einerseits sind sie selbst betroffen, auf der anderen Seite erleben sie den Schmerz der Eltern hautnah mit. Oftmals erhalten sie nicht genügend Unterstützung bei der Verarbeitung der Trennung, was nachhaltig belastend sein kann und mitunter auch noch zu Problemen im Erwachsenenalter führen kann. Wie gehen Kinder mit der schwierigen Situation einer Trennung um? Und wie kann man Kinder bei der Verarbeitung der Trennung unterstützen?

Wie Kinder die Trennung ihrer Eltern verarbeiten

Das Kinder nach der Trennung ihrer Eltern wütend und/oder traurig sind ist erstmal ein ganz natürliches Verhalten. Kommen dann allerdings erschwerende Bedingungen hinzu – wird das Kind z.B. zu sehr in den Konflikt der Eltern mit einbezogen - vernachlässigt oder der Kontakt zu einem Elternteil verboten, können Wut und Trauer über längere Perioden anhalten und zu Verhaltens- und Leistungsbeeinträchtigungen führen.

Zu den häufigsten Verhaltensmustern von Kindern und Jugendlichen gehören in diesem Zusammenhang:

  • ein wechselhaftes Gemüt/Launenhaftigkeit & depressive Reaktionen
  • erhöhte Ängstlichkeit
  • Schlafstörungen & Albträume
  • Verschlechterung der schulischen Leistungen
  • aggressives Verhalten
  • regressives Verhalten, wie die Rückkehr von bereits abgelegten Verhaltensweisen (zum Beispiel Daumenlutschen oder Bettnässen)

Vorwürfe gegenüber der eigenen Person und starke Schuldgefühle prägen die subjektive Eigenwahrnehmung. Kinder trauern in unterschiedlich intensiven Phasen. Auch gibt es Unterschiede in den verschiedenen Altersstufen. Jüngere Kinder können die Komplexität einer Trennung nicht allumfassend begreifen und sind noch stark auf die Bindung der Eltern angewiesen. Ältere Kinder können die Zusammenhänge bereits besser verstehen und sind sich der Konsequenzen überwiegend bewusst. Sie leiden jedoch oft unter verstärkten Schuldgefühlen und suchen die Ursache der Trennung bei sich selbst. 

Wie man Kinder bei einer Trennung der Eltern gemeinsam unterstützen kann

Was können Eltern tun, um das Kind in dem Prozess der Trennung zu begleiten und Anpassungsprobleme zu vermeiden? Zum einen sollte das Kind nicht in die Probleme der Eltern mit einbezogen werden, zum anderen ist der regelmäßige Kontakte mit beiden Elternteilen wichtig. Dabei sollten sich die Eltern bewusst machen, dass sie sich voneinander trennen und sich das Kind keine Trennung von einem Elternteil gewünscht hat. Entscheidend für den Aufbau einer dauerhaften Bindung in Folge einer Trennung ist der miteinander gelebte Alltag und die Kommunikation mit beiden Eltern. Kinder brauchen im Rahmen der Verlustbewältigung mehr denn je feste Routinen, an denen sie sich orientieren können.

Auch eine verständnisvolle und erklärende Kommunikation zwischen Eltern und Kind ist von Anfang an wichtig. Kindern sollten die Ursachen und Auswirkungen der Trennung altersgerecht erklärt werden. Den betroffenen Kindern eventuell auftretende Schuldgefühle zu nehmen und klarzumachen, dass der Kern der Ursachen im zwischenmenschlichen Miteinander der Eltern liegt, ist essenziell. Eltern sollten dabei stets Ruhe und Zuverlässigkeit ausstrahlen und ihre Schützlinge in gemeinsame Gespräche einbeziehen. Rückfragen vermitteln Interesse an der Meinung des Kindes. Ebenso sollten Erziehungsberechtigte immer zu einem Gespräch bereit sein, wenn das Kind von sich aus das Thema ansprechen möchte. Ein offenes Ohr und Verständnis für die Sorgen und Nöte sind der Schlüssel für eine nachhaltige Unterstützung in der Trauerbewältigung.

Sollten diese Maßnahmen nicht helfen und das Kind seine alltäglichen Aufgaben wie z.B. den Schulbesuch nicht mehr bewältigen können, ist dies ein Zeichen dafür, dass sich die Eltern Unterstützung suchen sollte. Bei starken Verhaltensauffälligkeiten oder psychischen und somatischen Beschwerden gibt es die Möglichkeit professioneller Therapien, wie sie auch die SOMNIA Privatkliniken anbieten.

Redaktionsteam SOMNIA