Angst- und Panikstörungen

Ängste, Phobien und Panik-Störung haben in unserer heutigen modernen Zeit der Globalisierung zugenommen.

Angst kann sich als isolierte Angst äußern, z.B. als Angst vor engen oder überfüllten Räumen, vor Menschen, vor Spinnen. Eine solche isolierte oder spezifische Angst wird als Phobie bezeichnet.

Angst kann sich durch schwere und wiederkehrende Angstattacken äußern und wird dann als Panikstörung bezeichnet, die bei vermehrter meist seelischer Belastung, aber auch völlig unvorhersehbar, auftreten kann. Typisch ist der plötzliche Beginn, zumeist mit Herzklopfen und/oder Brustschmerz und/oder Erstickungsgefühlen, Schwindel und Entfremdungsgefühl sich selbst gegenüber. Mitunter kommt es auch zur Angst, sterben zu müssen oder wahnsinnig zu werden. Bei wiederkehrenden Panikattacken kommt es oft zu einer Angst vor Panikattacken, zu dem Phänomen der Angst vor der Angst.

Von den Panikstörungen unterscheidet man die generalisierte Angststörung, die früher als Angstneurose bezeichnet wurde. Das wesentliche Symptom ist eine anhaltende Angst, die aber nicht nur auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt ist, sondern die sich in Angst vor allen möglichen Unwägbarkeiten deutlich macht. Man nennt diese Angst auch frei flottierend.

Die Symptome dieser Angststörung sind sehr unterschiedlich. Patienten mit dieser Angststörung neigen zu Befürchtungen, zu einer vegetativen Übererregbarkeit mit Schwindel, zu Herzklopfen, Schwitzen, Benommenheit, Mundtrockenheit, verschärftem Atmen und auch zu einer erhöhten motorischen Spannung mit körperlicher Unruhe, Spannungskopfschmerz, Zittern sowie der Unfähigkeit, sich zu entspannen.

Das Angsterleben führt dazu, dass Situationen, die Angst hervorrufen, gemieden werden. Die Tendenz sognannter angstbesetzter Reize, wie Aufzug fahren, Menschenansammlungen, Reden halten, einkaufen gehen, Veranstaltungen besuchen, führt zunächst zu einer Entlastung und Angstminderung, die Patienten auf der einen Seite entlastend erleben, die aber die Lebensqualität stark beeinträchtigt und die auf Dauer mit einer ängstlichen Selbstbeobachtung einher geht, was häufig zu Verlust von Freude führt, aber auch Probleme, z. B. mit Partnerschaften, hervorbringt.

Unser Vorgehen bei Angststörung beruht psychotherapeutisch auf vier Säulen:

  1. Bei der Angst spielt oft eine verhaltenstherapeutische Strategie eine besonders große Rolle, beispielsweise im Sinne einer schrittweisen Exposition mit Annäherung an die angstbesetzte Situation eingebunden in Strategien, den sog. Angstteufelskreis zu verstehen, mit dem Ziel, eine Art von Desensibilisierung herbeizuführen. Ein schrittweises Heranführen an angstbesetzte Situationen wird dazu führen, dass Sie die Symptome der Angst besser tolerieren mit dem Effekt, dass die Angstsymptome verschwinden, ähnlich wie es beispielsweise von einer Desensibilisierungsbehandlung bei Pollen bekannt ist. Auch dort werden Sie mit Substanzen, gegen die Sie allergisch sind, schrittweise mit zunehmend stärkerer Dosis konfrontiert und so desensibilisiert, das heißt von den allergischen Symptomen befreit.

  2. In einer tiefenpsychologischen Aufarbeitung kann die Entstehungsgeschichte der Angst geklärt werden. Wird die Botschaft der Angst verstanden, dann wird die Symptomatik oft überflüssig gemacht und kann abklingen. Die psychotherapeutische Behandlung kann sowohl in Einzeltherapie erfolgen, wobei die Bearbeitung von Angst in Gruppen sich als sehr hilfreich erwiesen hat.

  3. Weiterhin ist für die Behandlung der Angst die körperliche Fitness sehr wichtig, im Sinne der Förderung von Ausdauer und Kondition durch regelmäßige körperliche Betätigung wie Joggen oder Walken.

  4. Ein zusätzliches therapeutisches Standbein besteht in der Förderung von Gefühlsausdruck und Körpergefühl durch Kunsttherapie, Musik- und Tanztherapie.

Bei ausgeprägten Angststörungen kann der vorübergehende Einsatz von sogenannten angstlösenden Psychopharmaka hilfreich sein, bei einer Kombination mit Depressionen ist oft auch eine Behandlung mit Antidepressiva sinnvoll. Falls eine solche Maßnahme sinnvoll ist, werden wir dies stets in Absprache mit den Patienten diskutieren. Eine medikamentöse Behandlung gegen den Willen der Patienten führen wir nicht durch.