Essstörungen
Als Essstörungen werden Verhaltensstörungen mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitsschäden bezeichnet, deren zentrale gedankliche und emotionale Beschäftigung ständig um das Thema "Essen". Sie betrifft die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung und hängt mit psychosozialen Störungen und mit der Einstellung zum eigenen Körper zusammen. Unten werden die häufigsten Essstörungen aufgezeigt. Die einzelnen Störungen sind nicht klar voneinander abgrenzbar. Oft wechseln die Betroffenen von einer Form zur anderen und die Merkmale gehen ineinander über und vermischen sich. Zentral ist immer, dass die Betroffenen sich zwanghaft mit dem Thema Essen beschäftigen. Bei allen chronisch gewordenen Essstörungen sind lebensgefährliche körperliche Schäden möglich (Unterernährung, Mangelernährung, Fettleibigkeit). Ferner kommt es zu sozialen Problemen, die Betroffenen fühlen sich z.B. bei Fettleibigkeit (Adipositas) oft als Versager und Außenseiter. Frauen sind verstärkt betroffen. Bei ihnen treten auch Störungen im Menstruationszyklus auf, bis zum totalen Aussetzen der Menstruation (Amenorrhoe).
Die häufigsten Formen von Essstörungen sind:
- Magersucht (Anorexia Nervosa)
- Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa)
- Fressattacken (englisch Binge Eating )
Magersucht:
Magersucht (Anorexia nervosa) zeichnet sich durch absichtlich und selbst herbeigeführten Gewichtsverlust aus. Durch Hungern und Kalorienzählen versuchen die Betroffenen, dem Körper möglichst wenig Nahrung zuzuführen, manchmal wird durch hohe körperliche Aktivität der Energieverbrauch zusätzlich gesteigert werden. Die betroffene Person empfindet sich trotz extremem Untergewicht als zu dick und sieht ihren eigenen körperlichen Zustand häufig nicht (Körperschemastörung).
Folgen der Magersucht sind Unterernährung, Muskelschwund und Mangelernährung. Langzeitfolgen sind beispielsweise Osteoporose und Unfruchtbarkeit. 5 bis 15 % der Betroffenen sterben meist nicht durch Verhungern, sondern durch Infektionen des geschwächten Körpers oder durch Selbstmord.
Ess-Brech-Sucht:
Bei der Ess-Brech-Sucht (Bulimie, Bulimia nervosa) sind die Betroffenen meist normalgewichtig, haben aber große Angst vor der Gewichtszunahme, dem Dickwerden ; man kann das als Gewichtsphobie umschreiben. Sie ergreifen deshalb ungesunde Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, exzessiven Sport, Abführmittelgebrauch, Fasten oder Einläufe. Dadurch gerät der Körper in einen Mangelzustand und es folgen sogenannte Ess-Attacken, wobei große Mengen Nahrung auf einmal verzehrt werden. Neben diesen Heißhunger-bedingten Fressattacken gibt es auch die stressbedingten Fressattacken. Das Überessen und Erbrechen wird häufig als entspannend erlebt.
Die Ess-Brech-Sucht kann zu Störungen des Elektrolyt-Stoffwechsels, zu Entzündungen der Speiseröhre, zu Zahnschäden sowie zu Mangelerscheinungen führen. Da durch einen gestörten Elektrolythaushalt das Herz angegriffen werden kann, kann es zu Herzversagen und somit zum Tod kommen, insbesondere wenn die Ess-Brech-Sucht noch mit Untergewicht einher geht.
Binge Eating:
Essattacken treten im Zusammenhang mit suchtartigen Heißhungergefühlen auf, wobei der Suchtcharakter der Essstörung umstritten ist. Von Binge Eating wird gesprochen, wenn während eines Zeitraumes von mindestens 6 Monaten an zumindest 2 Tagen pro Woche eine Heißhungerattacke auftritt, bei dem in kürzester Zeit ungewöhnlich große Mengen an Nahrungsmitteln aufgenommen werden. Der Betroffene verliert die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme.
Außerdem müssen mindestens 3 der folgenden 6 Bedingungen zutreffen:
- essen, ohne hungrig zu sein
- besonders schnelles essen
- essen, bis ein unangenehmes Gefühl einsetzt
- allein essen, um Gefühle von Schuld und Scham zu vermeiden
- die Ess-Anfälle werden als belastend empfunden
- nach dem Ess-Anfall treten Gefühle von Ekel, Scham oder Depressionen auf
Obwohl die Essattacken jeweils nur kurz dauern, kann BED (Binge Eating Disorder) zu Adipositas führen. Von der Bulimie unterscheidet sich BED durch die ausbleibenden Maßnahmen, eine Gewichtszunahme durch Erbrechen, Sport oder Fasten zu verhindern.




